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Wohnungsbau-Tag 2026: Deutschland muss schneller und günstiger bauen – Bauturbo zündet verzögert

31.03.2026rss_feed

Wohnungsbau-Tag 2026: Deutschland muss schneller und günstiger bauen – Bauturbo zündet verzögert

Am 26. März fand der diesjährige Wohnungsbau-Tag statt. Die dort vorgestellte Studie Wohnungsbau in Deutschland 2026 zeigt auf, wie tiefgreifend der Wohnungsmarkt in Deutschland aus dem Gleichgewicht zu geraten scheint.


Genehmigungen sind seit 2021 um mehr als 40 Prozent zurückgegangen, während gleichzeitig ein Defizit von mindestens 600.000 bis 800.000 Wohnungen besteht. Die Studie macht deutlich, dass der traditionelle Wohnungsbau aktuell durch hohe Materialpreise, komplexe technische Standards und stark gestiegene Zinsen ausgebremst wird. In vielen Großstädten und Metropolregionen liegen die Baukosten (einschließlich Grundstückskosten) bei rund 5.400 Euro - das entspricht Mindestkaltmieten von mindestens 18 Euro/m².


Gleichzeitig zeigen neue Ansätze durch den Gebäudetyp E beispielhaft in Hamburg oder in Schleswig-Holstein, dass sich Baukosten durch konstruktive Vereinfachung, serielles Bauen und eine Konzentration auf wirklich notwendige Standards um 15 bis 30 Prozent senken lassen – ohne Abstriche bei Sicherheit oder Wohnqualität. Die Holzbauweise ist hierfür prädestiniert: Durch hohen Vorfertigungsgrad, kurze Bauzeiten, reduzierte Fundamentanforderungen und gute CO₂-Bilanz erfüllt sie die Anforderungen eines vereinfachten und gleichzeitig nachhaltigen Wohnens in besonderem Maße. Sie eröffnet damit genau jene Beschleunigungs- und Effizienzpotenziale, die die Studie dringend einfordert.

 

Die Baukostenkrise der vergangenen Jahre – allein zwischen 2020 und 2025 stiegen die Bauwerkskosten um mehr als 52 Prozent – verstärkt die Notwendigkeit alternativer Konstruktionsansätze. Holz ermöglicht nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine ressourcenschonende Bauweise mit geringerer technischer Komplexität und reduziertem Instandhaltungsbedarf. Die Studie zeigt, dass gerade übermäßige Anforderungen an Komfort und technische Ausstattung massive Kostentreiber darstellen und häufig ohne messbaren Mehrwert für Energieeffizienz oder Klimaschutz sind. Dadurch steigt die Attraktivität von Low-Tech- und Holzbaustrategien, die mit weniger Material, weniger Technik und mehr konstruktiver Intelligenz auskommen.


Zentraler Befund der Studie ist zudem, dass der Wohnungsmarkt dringend ein neues Ventil benötigt. Jahrzehntelang war das Einfamilienhaus solch ein Ventil für Ballungsräume – doch dessen Neubau stagniert inzwischen auf niedrigem Niveau. Nun braucht es neue, flächeneffiziente und bezahlbare Wohnungsformen: kompakte, barrierearme Wohnungen für ältere Menschen, flexible und modulare Grundrisse für Singles und Kleinhaushalte sowie schnell realisierbare Geschosswohnungsbauten, die Umzugsketten im Bestand wieder in Gang setzen. Holzbau kann diese Typologien besonders gut bedienen, sowohl im Neubau als auch durch Aufstockungen und Nachverdichtung im urbanen Umfeld.

 

Für den Holzhandel entstehen daraus unmittelbare Chancen. Es wird erwartet, dass der Bedarf an vorgefertigten Systembauteilen, modularen Wand- und Deckenelementen und standardisierten Holzbaukomponenten deutlich steigen wird. Darüber hinaus wächst die Bedeutung der Beratung: Planer, Bauträger und Wohnungsunternehmen benötigen Unterstützung bei Materialsubstitutionen, CO₂-optimierten Baustoffstrategien und konstruktiven Optimierungen.

 

 


Die Studie zeigt deutlich auf, dass eine Wende im Wohnungsbau mit den bisherigen Methoden nicht zu erreichen sein wird. Der GD Holz unterstützt nachdrücklich die Forderungen nach vereinfachten regulatorischen Rahmenbedingungen, einer Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsprozessen sowie einer stärkeren Fokussierung auf wirtschaftliche Bauweisen. Der Holzbau kann dazu einen erheblichen Beitrag leisten. Der GD Holz hat und wird sich als Sprachrohr des Holzhandels in die politische Mitgestaltung einmischen - insbesondere im Hinblick auf die bundesweite Verankerung vereinfachter Baustandards, die Förderung serieller und klimafreundlicher Bauweisen sowie eine stärkere Berücksichtigung von Holzbauweisen in Förderprogrammen. (tl)


Foto © GdW.de

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