Ist es möglich, Drogen in tropischem Hartholz zu schmuggeln?
…Sicherlich nicht, wenn man versucht, mithilfe von Druckkammern (KDI-Kammern) wasserlösliche Substanzen in das Holz einzubringen und sie so zu verstecken. Klingt weit hergeholt? Ja – doch das hat die chilenischen Behörden nicht davon abgehalten, in den letzten Monaten 50 bis 80 40-Fuß-Container aus Bolivien zu beschlagnahmen und schließlich einen Großteil davon zu vernichten.
Hintergrund: Seit mehreren Monaten beschlagnahmt Chile Lieferungen aus Bolivien und behauptet, dass verschiedene illegale Substanzen, darunter große Mengen Kokain, Ketamin, Methamphetamin und andere, mithilfe von Kesseldruckimprägnierung in das bolivianische Schnittholz – darunter Ipê (Handroanthus spp.), Cumaru (Dipteryx spp.) und Purpleheart (Peltogyne spp.) - eingeschleust worden seien.
Das Holz war für 15 Länder bestimmt, vor allem für die USA, Mexiko, die Karibik und Europa. Die chilenischen Zollbeamten setzten Spürhunde und Abstrichuntersuchungen vor Ort ein; außerdem wurden Tests mit tragbaren Handscannern durchgeführt, die jedoch allesamt widersprüchliche und uneinheitliche Ergebnisse lieferten. Die Behörden legten anschließend keine offiziellen quantitativen Laborberichte vor und gestatteten auch keine unabhängigen Probenahmen oder Tests.
Es ist bekannt, dass die verwendeten Testmethoden häufig falsch-positive Ergebnisse liefern; darüber hinaus enthält tropisches Schnittholz der betreffenden Holzarten hohe Anteile an natürlichen, dem Holz eigenen chemischen Verbindungen (Holzinhaltsstoffe), die zu seiner Haltbarkeit beitragen und die Testergebnisse unzuverlässig machen können. Zudem ist die Druckimprägnierung von dichtem Tropenholz aufgrund der physikalischen Eigenschaften des Holzes ohnehin schwierig bis unmöglich, und es ist äußerst unwahrscheinlich, dass auf diese Weise nutzbare Mengen verbotener Substanzen in das Holz eingebracht werden könnten.
Dies hinderte die chilenischen Behörden jedoch nicht daran, über 50 Container zu beschlagnahmen und deren Inhalt in den meisten Fällen zu vernichten. Sie haben jedoch keinerlei unabhängige Beweise für das Vorhandensein der Betäubungsmittel vorgelegt – seit Beginn der Ermittlungen
nicht ein einziges Gramm –, obwohl sie von der größten Drogenbeschlagnahme der Geschichte mit einem geschätzten Umfang von über 108 Tonnen sprachen. Gleichzeitig erlaubte der chilenische Zoll die Ausfuhr einiger Container im Rahmen einer sogenannten kontrollierten Lieferung
, bei der Drogenfahnder im Zielland den Container bei der Ankunft überprüfen. Jeder einzelne Container, der im Rahmen einer kontrollierten Lieferung
in Indien, China, den USA, Mexiko, Peru und Europa am Bestimmungsort eintraf, wurde negativ auf Drogen getestet.
Es scheint, dass auch chilenische Politiker in die Angelegenheit verwickelt sind und diese Fälle für eigene politische Zwecke instrumentalisieren, indem sie behaupten, den Drogenhandel aus Bolivien durch ihr Land zu unterbinden. Erste Berichte über diese Fälle tauchten bereits im November 2025 auf.
Bolivianische Sägewerke und Exporteure haben nun rechtliche Schritte gegen die chilenischen Behörden eingeleitet, und zwar wegen des Verstoßes gegen den Vertrag von 1904, der ihnen ungehinderten Zugang zu den Seehäfen von Arica und Iquique gewährt, sowie wegen des Verlusts von Waren und der Störung der Handelswege; außerdem wollen sie einen Rufschaden für den internationalen Holzhandel verhindern. Die ETTF hat ein Schreiben veröffentlicht, in dem die technischen Aspekte der Vorwürfe zurückgewiesen und die Durchführung unabhängiger Untersuchungen gefordert werden.
Ein Ergebnis der ersten Gerichtsverhandlung, fast ein Jahr nach der ersten Beschlagnahme, fiel überwiegend zugunsten der bolivianischen Exporteure aus. Die Vernichtung der verbleibenden Ladung muss vorübergehend ausgesetzt werden; allerdings ist davon auszugehen, dass bereits mehr als 70 Prozent der beschlagnahmten Container vernichtet wurden. Darüber hinaus sicherten sich die Kläger das Recht, Proben unabhängig analysieren zu lassen – sowie die Aufhebung der Geheimhaltung, um die vollständige Ermittlungsakte auf chilenischer Seite einsehen zu können.
Der Fall ist also noch nicht abgeschlossen und läuft folglich in der Kategorie Sachen gibt’s
noch etwas weiter…

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