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Eichen im Klimastress

03.06.2026rss_feed

Eichen im Klimastress

In Deutschland häufen sich die Aussagen über zunehmende Schäden an stehender und liegender Eiche durch holzbrütende Insekten. Das hat zunehmend Konsequenzen für die Holzverwendung.


Aktuelle Herausforderung

Anhaltende Stressfaktoren wie Hitze und Trockenheit setzen den Eichenbeständen stark zu. Dies führt zu einem erhöhten Befall durch Schaderreger, die sich bei wärmeren Temperaturen wohl fühlen und Eichen massiv schädigen können.

Insbesondere holzbrütende Käfer befallen in der Folge sowohl stehende als auch gefällte Bäume, was zum Befall des wertvollen Kernholzes führt. Ein wachsender Anteil des heimischen Eichenholzes ist daher von Insektenbefall und sichtbaren Fraßgängen betroffen.

 

Aufgabe

Es ist wichtig, Käufer von Eichenholz über diese Veränderungen aufzuklären und eine Akzeptanz für Eichenholz mit Merkmalen von Insektenbefall zu schaffen.

Zudem müssen neue Vermarktungswege für dieses Holz erschlossen werden. Ansonsten bleiben thermische Verwertung oder Verrotten im Wald – wobei Letzteres die Schädigungen weiter verschärft.

 

Die relevantesten holzbewohnenden Insekten im Eichen-Kernholz

Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus)

  • derzeit gefährlichster Käfer
  • Flugzeit: Mai/Juni
  • die Larve bohrt einen 3,5 mm großen Hakengang unter der Rinde, was zum Absterben der Eichen führt

 

Eichenholzbohrer (Xyleborus monographus)

  • Flugzeit: März/April und Juni/Juli
  • Fraßgang 1,4 mm
  • 1. Generation geht bis in das Kernholz, 2. Generation verbleibt i. d. R. im Splint
  • Fraßgänge dunkel verfärbt

 

Eichenkernkäfer (Platypus cylindrus)

  • Flugzeit: Juli bis September (Oktober)
  • ab August sehr grobfaseriges Bohrmehl am Stamm erkennbar
  • Fraßgang: 1,8 mm dunkel verfärbt
  • Überwinterung im Splint, Eindringen in den Kern i. d. R. im Folgejahr ab März

Wichtiger Hinweis

Die Käferlarven sterben bei fachgerechter Trocknung ab, wodurch das Holz bedenkenlos weiterverarbeitet werden kann. Eine weitere Ausbreitung ist somit ausgeschlossen.

Grundsätzlich ist zu empfehlen, nur (technisch) getrocknetes Eichenholz einzukaufen und zu verwenden.

 


Was können wir tun?

Für den Erhalt der Eichenbestände ist ein intensives Monitoring unerlässlich. Aus Forstschutzsicht sollte hierbei der Fokus auf dem Eichenprachtkäfer liegen. Aus Sicht der Holzverwendung muss der Fokus auf den Eichenkernkäfer gelegt werden, da dieser unter den holzbewohnenden Insekten derzeit am häufigsten auftritt. Das Auftreten beider Insekten steht in engem Zusammenhang. In befallenen Beständen reicht es, das Monitoring auf den Kernkäfer auszurichten, der anhand seines Bohrmehls leichter als der Prachtkäfer zu erkennen ist.

Befallene Bäume müssen zeitnah eingeschlagen werden. Ein Früheinschlag ist wichtig, da der Eichenkernkäfer bei Erstbefall im Splint überwintert. Die Einbohrung in den Kern erfolgt erst ab März des Folgejahres. Je früher die Stämme für den Kunden bereitgestellt werden, desto mehr Handlungsspielraum wird den Verarbeitern (Sägewerke) gegeben, um das Holz noch vor März weiterzuverarbeiten. Andernfalls bohrt sich der Kernkäfer mit ca. 1 mm pro Tag durch die Eichenstämme.

 

Was bedeutet das für Sägewerke?

Der Einkauf von Eichenrundholz wird risikoreicher. Der Umfang des Schadens ist oft erst nach dem Auftrennen sichtbar. Außerdem ist der Wald kein sicherer Ort mehr, um Eichenstämme länger zu lagern. Dies stellt Säger vor große Herausforderungen in Logistik, Lagerhaltung und Einschnitt-Zeiträumen. Um Zeit zu gewinnen, besteht die Möglichkeit, Kernkäferholz in sogenannten Wood-Packern einzuschweißen. Dabei wird der Eichenkernkäfer unter Sauerstoffentzug abgetötet.

 

Bedeutung für die Holzverwendung?

Als Folge des Klimawandels ist zu erwarten, dass zukünftig mehr Holz mit Merkmalen von Fraßspuren auf dem Markt verfügbar sein wird. Trotz der Fraßspuren bleibt das Holz in vielen Anwendungsbereichen nutzbar.

So wird z. B. die Statik von befallenem Schnittholz durch kleine Bohrlöcher/Fraßgänge von <2 mm nicht beeinträchtigt. Aus diesem Grund wurde dies auch in einer Überarbeitung von DIN 4074-5 (Sortierung von Holz nach der Tragfähigkeit – Teil 5: Laubschnittholz) normativ geregelt und diesem Fakt Rechnung getragen.

 

Ausblick

Langfristig ist das Ziel zu verfolgen, das Merkmal Insektenfraßgang positiv zu verändern und als natürliches Merkmal zu etablieren. Dabei geht es sowohl um die statischen Eigenschaften (DIN) als auch die optischen Veränderungen.

Um kurzfristig einen Absatzmarkt für Eichenkernkäferholz zu etablieren, würde die vorrangige Verwendung von Holz mit Insektenfraßgängen im öffentlichen Bau eine mögliche Lösung darstellen.


Weitere Infos

Quelle: FNR

(zel)


Foto © GD Holz

Foto © GD Holz