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Bundestagsanfrage rückt Sanktionsumgehung im Holzhandel in den Fokus

09.06.2026rss_feed

Bundestagsanfrage rückt Sanktionsumgehung im Holzhandel in den Fokus

Die Umgehung der EU-Sanktionen gegen Russland und Belarus im Holzhandel steht im Zentrum einer aktuellen Kleinen Anfrage im Deutschen Bundestag (Drucksache 21/6081).


Seit Juli 2022 ist die Einfuhr von Holz und Holzprodukten aus Russland in die Europäische Union verboten. Dennoch deuten Recherchen darauf hin, dass weiterhin Produkte russischen Ursprungs auf dem deutschen Markt verfügbar sein könnten. Im Zentrum der parlamentarischen Anfrage, in der auch die Forderungen des GD Holz nach mehr staatlicher Kontrolle explizit zitiert werden, stehen Berichte, wonach Holzprodukte wie z.B. Konstruktionsholz, Terrassendielen oder Birkensperrholz, weiterhin in deutschen Märkten angeboten werden, obwohl sie mutmaßlich aus Russland stammen.

Insbesondere Birkensperrholz wird ein erhöhtes Risiko attestiert: Untersuchungen internationaler Organisationen legen nahe, dass Lieferketten gezielt über Drittstaaten wie China, die Türkei oder Kasachstan geleitet werden, um Sanktionen zu umgehen. Gleichzeitig hat auch die Europäische Kommission auf ein hohes Risiko solcher Umgehungsgeschäfte hingewiesen. Diese Entwicklungen würden nach den Verfassern grundlegende Fragen nach der Transparenz globaler Lieferketten und der Belastbarkeit von Herkunftsnachweisen aufwerfen.

Die Anfrage greift zudem Auffälligkeiten in den Importstatistiken auf: Steigende Einfuhren aus bestimmten Drittstaaten könnten teilweise nicht durch deren eigene Rohstoffbasis oder Produktionskapazitäten erklärt werden. Genannt werden unter anderem Länder in Asien und Zentralasien sowie die Türkei und China.

Vor diesem Hintergrund soll die Bundesregierung unter anderem darlegen,

  • welche Staaten derzeit als Risikoländer gelten,
  • bei welchen Ländern ungewöhnliche Importsteigerungen festgestellt wurden und
  • welche Produktgruppen besonders anfällig für Sanktionsumgehungen sind.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der praktischen Umsetzung und Kontrolle der Sanktionen. Die Abgeordneten fragen deshalb detailliert nach:

  • der Zahl möglicher Verstöße seit 2022,
  • laufenden Ermittlungs- und Bußgeldverfahren,
  • der Zusammenarbeit zwischen Zoll, BLE und Strafverfolgungsbehörden sowie
  • den eingesetzten Prüfmethoden, inklusive forensischer Analysen zur Herkunftsbestimmung.

Auch die Frage, wie mit sogenannten Altbeständen umgegangen wird und welche Nachweise Unternehmen erbringen müssen, wird thematisiert.

GD Holz forderte konsequente Einhaltung der Sanktionen

Der GD Holz hatte bereits im September 2025 klargestellt, dass ein konsequenter Verzicht auf russisches Holz sowie eine strenge staatliche Kontrolle der Lieferketten unerlässlich sind. Die aktuelle Bundestagsanfrage unterstreicht die Relevanz dieser Position und zeigt, dass das Thema weiterhin hohe politische Aufmerksamkeit genießt. Für die Branche bedeutet dies:

  • Die Anforderungen an Sorgfaltspflichten und Nachweisdokumentation bleiben hoch.
  • Die Überwachung internationaler Lieferketten wird weiter intensiviert.
  • Unternehmen sollten ihre Compliance-Systeme regelmäßig überprüfen und anpassen.

Die Diskussion macht deutlich, dass die Einhaltung von Sanktionen nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern auch eine Frage der Marktintegrität ist. Gerade im internationalen Handel mit komplexen Lieferketten bleibt die eindeutige Bestimmung der Herkunft eine Herausforderung. Auf die Antwort der Bundesregierung auf diese parlamentarische Anfrage dürfte man gespannt sein. Sie wird demnächst erwartet und in einem der kommenden Newsletterausgaben bewertet. (tl)


Foto © Julia Nowak-Katz

Foto © Julia Nowak-Katz


Josef Balk
10.06.2026 12:38
Auch wenn man für eine Sanktionierung ist, sollte man über den Tellerrand schauen und andere Rohstoffimporte aus Russland zum Vergleich nehmen.
Z.B. ist der Stahlimport in die EU aus Russland anscheinend 34 % von der Menge aus 2021 (Laut Report Wirtschaftsvereinigung Stahl, Positionspapier März 2024)
Ich finde es interessant, dass andere Branchen anscheinend weniger sanktioniert werden. 100% gibt es nicht! Nur so als Denkansatz…
Sollte man eventuell die Bürokratie auch mal weniger voran treiben?
Josef Balk